Verdrängte Gefühle aus der Kindheit: Der unsichtbare Ursprung heutiger Blockaden

Erfahre, warum unerklärliche Reaktionen, Blockaden und Ängste oft verdrängte Gefühle aus der Kindheit sind und wie du beginnst, diese zu verstehen.

Von Oliver Brandenburg · 7. August 2026

Eine kleine Kritik vom Partner löst eine Welle der Wut aus, die dich selbst überrascht. Eine plötzliche, unerklärliche Traurigkeit überkommt dich, während du eigentlich einen schönen Moment erlebst. Oder du ertappst dich immer wieder dabei, „Ja“ zu sagen, obwohl alles in dir „Nein“ schreit und du dich danach ausgelaugt und frustriert fühlst. Solche Momente fühlen sich oft fremdgesteuert an, als würde ein altes, unsichtbares Programm ablaufen, das du nicht bewusst gestartet hast und dessen Logik sich deinem erwachsenen Verstand entzieht. Die Intensität der emotionalen Reaktion steht in keinem Verhältnis zur aktuellen Situation, und doch überrollt sie dich mit einer Macht, die kaum zu kontrollieren ist.

Diese emotionalen Echos sind keine zufälligen Launen oder Zeichen persönlicher Schwäche, sondern oft direkte und tiefe Verbindungen zu deiner Vergangenheit. Verdrängte Gefühle aus der Kindheit sind keine vergessenen Erinnerungen, die harmlos in einem Archiv deines Geistes schlummern. Sie sind aktive emotionale Ladungen, die dein heutiges Verhalten, deine Beziehungen, deine Entscheidungen und sogar dein körperliches Wohlbefinden unbewusst steuern. Sie wirken aus dem Schatten deines Unterbewusstseins und prägen, wie du die Welt wahrnimmst und auf sie reagierst. Zu verstehen, wie diese Muster entstanden sind und wie sie heute wirken, ist der erste, entscheidende Schritt, um die emotionale Fernbedienung wieder selbst in die Hand zu nehmen und mit mehr Klarheit, innerer Ruhe und Selbstbestimmung zu leben. Wenn du merkst, dass dich diese Muster immer wieder in Stress versetzen, hilft dir Stress reduzieren durch die Kraft der Selbstmeisterschaft weiter. Es ist ein Weg, der dir ermöglicht, aus alten Reaktionsmustern auszubrechen und authentischere Beziehungen zu dir selbst und anderen aufzubauen.

Was sind verdrängte Gefühle aus der Kindheit? Verdrängte Gefühle sind intensive Emotionen wie Wut, Angst, Scham, Ohnmacht oder tiefe Trauer, die in der Kindheit als überwältigend, bedrohlich oder nicht erlaubt empfunden wurden. Stell dir vor, ein Kind erlebt eine Situation, in der es große Wut empfindet, aber die Eltern reagieren mit Ablehnung oder Bestrafung. Das kindliche Nervensystem kann diese starke Emotion nicht verarbeiten, ohne die lebenswichtige Bindung zu den Bezugspersonen zu gefährden. Um die Bindung zu sichern und sich vor einer emotionalen Überflutung zu schützen, werden diese Gefühle unbewusst abgespalten und im Körper „gespeichert“. Sie sind also nicht verschwunden oder aufgelöst, sondern in einem unzugänglichen Bereich des Unterbewusstseins konserviert. Von dort wirken sie als emotionale Altlasten weiter und beeinflussen als unsichtbare Kräfte dein heutiges Erleben und Verhalten. Sie sind wie eingefrorene Energien, die darauf warten, endlich wahrgenommen und integriert zu werden, um ihren Kreislauf zu schließen.

Wie beginnt man, verdrängte Gefühle zu bearbeiten? Die Arbeit mit verdrängten Gefühlen ist keine Jagd nach schmerzhaften Erinnerungen oder eine krampfhafte Suche nach Schuldigen. Es ist vielmehr ein Prozess des bewussten Wahrnehmens, des achtsamen Spürens und des Integrierens im Hier und Jetzt. Es geht darum, den alten Gefühlen, die damals keinen Raum hatten, heute aus der sicheren und ressourcenstarken Position des erwachsenen Ichs den Raum und die Akzeptanz zu geben, die sie damals nicht bekommen haben. Dieser Prozess erfordert Geduld, Selbstmitgefühl und eine innere Haltung der Neugier und des Nicht-Wissens. Die folgenden Schritte haben sich in der Praxis als ein guter Einstieg bewährt und bilden eine solide Grundlage für die weitere Auseinandersetzung mit deinen inneren Welten:

Wie beginnt man, verdrängte Gefühle zu bearbeiten?
  1. Muster erkennen: Beginne damit, dich im Alltag bewusst zu beobachten. In welchen Situationen reagierst du wiederholt übermäßig emotional, unverhältnismäßig stark oder auf eine Weise, die du später bereust? Vielleicht ist es die Kritik eines Kollegen, die dich in eine tiefe Scham stürzt, obwohl sie objektiv unbegründet ist. Oder die Bitte eines Freundes, die dich sofort in eine Haltung der Überforderung und des Widerwillens versetzt, obwohl du ihm eigentlich helfen möchtest. Schreibe diese Momente auf, ohne sie zu bewerten oder zu analysieren. Es geht nur darum, die Auslöser (sogenannte Trigger) und deine spezifische Reaktion darauf zu identifizieren. Führe ein kleines Notizbuch oder nutze eine App, um diese Beobachtungen festzuhalten. Notiere Datum, Situation, deine Reaktion und die Intensität des Gefühls. Mit der Zeit wirst du Muster erkennen, die dir wertvolle Hinweise auf die dahinterliegenden verdrängten Gefühle geben.
  1. Körperwahrnehmung schulen: Dein Körper ist ein weiser Speicher deiner Geschichte. Richte deine Aufmerksamkeit nach innen, besonders wenn eine starke Emotion aufkommt oder du ein diffuses Unbehagen spürst. Wo genau nimmst du diese Emotion in deinem Körper wahr? Ist es ein Kloß im Hals, der dir die Stimme nimmt, wenn du dich äußern möchtest? Ein beklemmender Druck auf der Brust, der dir den Atem raubt, wenn du dich überfordert fühlst? Eine brennende Hitze im Bauch bei Wut oder eine lähmende Kälte in den Gliedmaßen bei Angst? Spüre bewusst in diese Empfindung hinein, ohne sie verändern oder wegdrücken zu wollen. Atme sanft in diese Körperstelle hinein, als würdest du dem Gefühl Raum geben. Allein das bewusste Wahrnehmen und das Atmen in die Empfindung kann bereits eine erste Entspannung bewirken und den Kontakt zu diesem abgespaltenen Teil herstellen. Es geht darum, den Körper als Verbündeten zu sehen, der dir wichtige Botschaften sendet.
  1. Gefühle benennen und validieren: Sobald du eine körperliche Empfindung einer Emotion zuordnen kannst, gib diesem Gefühl einen Namen. Ist es Wut, Ohnmacht, Angst, Scham, Trauer, Einsamkeit? Manchmal ist es auch eine Mischung aus mehreren Gefühlen. Sprich es innerlich oder leise aus: „Ein Teil von mir fühlt sich gerade wütend/ängstlich/traurig/ohnmächtig. Und das ist in Ordnung. Es darf da sein.“ Mit dieser inneren Haltung gibst du dem Gefühl eine Daseinsberechtigung, die es in der Kindheit vielleicht nie hatte. Du signalisierst deinem inneren Kind: „Ich sehe dich. Ich höre dich. Du bist nicht falsch.“ Diese Validierung ist ein Akt des tiefen Selbstmitgefühls und der Akzeptanz. Sie unterbricht den Kreislauf der Verdrängung und schafft einen sicheren Raum für die Integration.
  1. Selbstfürsorge praktizieren: Wenn du ein starkes Gefühl wahrnimmst, frage dich, was du in diesem Moment von dir selbst brauchst. Handle aus der Perspektive eines fürsorglichen, weisen Erwachsenen für den Teil in dir, der sich gerade überfordert, ängstlich oder verletzt fühlt. Brauchst du Ruhe und einen Rückzugsort? Eine kurze Pause von der Arbeit? Ein Glas Wasser oder einen warmen Tee? Vielleicht eine tröstende Geste, indem du dir selbst eine Hand auf die Brust legst oder dich in eine Decke kuschelst? Manchmal hilft auch eine kurze Bewegung, um die angestaute Energie abzubauen, oder das Schreiben in ein Tagebuch, um die Gedanken zu ordnen. Es geht darum, aktiv für dein inneres Kind zu sorgen und ihm das zu geben, was es damals vermisst hat. Diese Handlungen der Selbstfürsorge sind keine Schwäche, sondern Ausdruck einer reifen und liebevollen Beziehung zu dir selbst.

Mehr als nur eine schlechte Erinnerung: Wie sich verdrängte Gefühle heute zeigen
Verdrängte Gefühle aus der Kindheit manifestieren sich nicht als vage Erinnerungen, sondern als wiederkehrende, oft schmerzhafte emotionale Muster und Verhaltensweisen, die für den erwachsenen Verstand oft unerklärlich und irrational erscheinen. Sie sind die unsichtbaren Fäden, die dich an deine Vergangenheit binden und dich manchmal wie eine Marionette fühlen lassen. Typische Beispiele sind die bereits erwähnte unerklärliche Wut bei kleiner Kritik, die dich in eine kindliche Ohnmacht zurückwirft, oder die plötzliche Traurigkeit ohne ersichtlichen Grund, die dich überkommt, obwohl objektiv alles in Ordnung ist. Ein weiteres häufiges Muster ist das chronische „People-Pleasing“, bei dem du ständig versuchst, es allen recht zu machen, aus Angst vor Ablehnung oder Bestrafung, die du als Kind erlebt hast. Oder die Unfähigkeit, klare Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen, weil du gelernt hast, dass deine Bedürfnisse unwichtig sind oder zu Konflikten führen. Wenn du merkst, dass deine Angst vor Ablehnung: Wenn das innere Kind die Kontrolle übernimmt dich blockiert, ist es Zeit, genauer hinzusehen.

Auch eine diffuse Angst vor Autoritäten, die sich in übertriebener Nervosität bei Chefgesprächen äußert, obwohl keine reale Bedrohung besteht, kann ein Zeichen sein. Eine tiefsitzende Überzeugung, nicht gut genug zu sein, manifestiert sich in Perfektionismus, Selbstsabotage oder der Unfähigkeit, Erfolge anzuerkennen. Das Gefühl, für die Harmonie anderer verantwortlich zu sein, kann dazu führen, dass du ständig Konflikte schlichtest oder die Gefühle anderer über deine eigenen stellst. Diese emotionalen Echos sind keine bloßen Charaktereigenschaften, sondern Ausdruck ungelöster innerer Konflikte.

Der entscheidende Unterschied zu alltäglicher „schlechter Laune“ oder „Stress“ liegt im wiederkehrenden Muster und der unverhältnismäßigen Intensität der Reaktion. Die Emotion fühlt sich oft fremdgesteuert und überwältigend an, als würde ein Schalter umgelegt, der dich in einen Zustand versetzt, den du nicht kontrollieren kannst. Sie passt nicht zur aktuellen Situation, sondern ist eine Reaktion auf eine alte, ungelöste Verletzung oder ein unbefriedigtes Bedürfnis. Es ist die Emotion des Kindes von damals, die im Körper des Erwachsenen von heute erlebt wird, und sie verlangt nach Beachtung und Heilung.

Der unsichtbare Schutzschild: Warum dein Gehirn Gefühle als Kind verdrängt hat Verdrängung ist kein Fehler oder eine Schwäche, sondern ein hochintelligenter und lebensrettender Überlebensmechanismus des kindlichen Gehirns und Nervensystems. Ein Kind ist für sein Überleben existenziell von seinen primären Bezugspersonen abhängig. Diese Abhängigkeit ist nicht nur physischer, sondern auch emotionaler Natur. Wenn ein Kind Gefühle wie Wut, Angst, tiefe Trauer oder Ohnmacht erlebt, die von diesen Bezugspersonen nicht gespiegelt, gehalten oder sogar explizit verboten werden („Sei nicht wütend!“, „Hör auf zu weinen!“, „Hab keine Angst, das ist doch Quatsch!“), entsteht ein unlösbarer innerer Konflikt. Das Gefühl auszudrücken könnte die lebenswichtige Bindung gefährden, die das Kind zum Überleben braucht. Es könnte Ablehnung, Bestrafung oder den Entzug von Liebe bedeuten.

Der unsichtbare Schutzschild: Warum dein Gehirn Gefühle als Kind verdrängt hat

Um diese Bindung und die eigene psychische Stabilität zu sichern, spaltet das System die überwältigende Emotion ab. Es ist, als würde ein Teil der Seele in einen inneren Schutzraum verbannt, um das Gesamtsystem zu schützen. Dieser Vorgang ist keine bewusste Entscheidung des Kindes und erst recht keine persönliche Schwäche oder ein Fehler. Es war damals eine Stärke und die einzig verfügbare Strategie, um mit einer Situation umzugehen, für die dem Kind die emotionalen, kognitiven und sozialen Ressourcen fehlten. Die Verdrängung schützte das Kind vor einer Überforderung, die es nicht hätte aushalten können. Das Problem ist, dass dieser Schutzmechanismus im Erwachsenenalter weiterläuft, auch wenn die ursprüngliche Bedrohung längst nicht mehr existiert. Er führt nun zu Blockaden, unerwünschten Reaktionen und einem Gefühl der inneren Zerrissenheit, da ein Teil von dir ständig im Modus des Überlebens von damals verharrt.

Dein Körper vergisst nicht: Wo die emotionalen Altlasten gespeichert sind Unverarbeitete Emotionen verschwinden nicht einfach; sie werden im Körper „geparkt“ oder „eingefroren“. Die Verbindung von Psyche und Soma (Körper) ist hier von zentraler Bedeutung. Dein Körper ist nicht nur eine Hülle, sondern ein lebendiges Archiv deiner gesamten Lebensgeschichte, einschließlich aller unverarbeiteten emotionalen Erfahrungen. Emotionale Altlasten manifestieren sich oft als chronische körperliche Anspannung, die du vielleicht gar nicht mehr bewusst wahrnimmst, weil sie zu einem Dauerzustand geworden ist. Beispiele hierfür sind ein permanent angespanntes Kiefergelenk, das zu Zähneknirschen führt, verspannte Schultern und ein steifer Nacken, die das Gefühl tragen, eine schwere Last zu tragen, oder chronische Rückenschmerzen, die keine eindeutige medizinische Ursache haben.

Dein Körper vergisst nicht: Wo die emotionalen Altlasten gespeichert sind

Auch unerklärliche körperliche Symptome ohne medizinischen Befund, wie ein Kloß im Hals, wenn du deine Meinung sagen willst und das Gefühl hast, deine Stimme würde versagen, oder eine plötzliche Schwere in den Schultern, wenn du dich überfordert fühlst, können somatische Marker für alte, verdrängte Gefühle sein. Diese Symptome sind keine Einbildung, sondern reale körperliche Reaktionen auf ungelöste emotionale Konflikte. Sie sind die Sprache deines Körpers, der dir mitteilen möchte, dass etwas nach Aufmerksamkeit verlangt. Ein Gefühl der Entfremdung vom eigenen Körper, das Empfinden, ihn nur als funktionale Hülle zu bewohnen oder ihn als Gegner zu betrachten, kann ebenfalls ein Zeichen dafür sein, dass der Kontakt zu diesen gespeicherten Emotionen unbewusst vermieden wird. Der Körper wird zum Schauplatz des inneren Dramas, und seine Symptome sind Rufe nach Integration und Heilung.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Perspektive keine medizinische Diagnose ersetzt und keine Aufforderung zur Selbstdiagnose ist. Bei körperlichen Beschwerden solltest du immer zuerst einen Arzt konsultieren, um organische Ursachen auszuschließen. Es geht vielmehr darum, den Körper als Resonanzraum und als eine wichtige Sprache der Psyche zu verstehen. Somatische Marker sind wertvolle Hinweise darauf, dass auf einer tieferen, emotionalen Ebene etwas nach Aufmerksamkeit verlangt und darauf wartet, endlich gefühlt und integriert zu werden.

Die emotionale Fernbedienung: Was deine alten Gefühle heute triggert Ein Trigger ist ein aktueller Reiz – ein Wort, ein Tonfall, ein Geruch, eine Geste, eine Situation –, der eine alte, unverarbeitete Emotion oder ein Trauma aktiviert. Er fungiert wie eine emotionale Zeitmaschine, die dich unbewusst und blitzschnell in die Gefühlswelt der ursprünglichen Verletzung zurückversetzt. Der Verstand mag wissen, dass die aktuelle Situation im Hier und Jetzt vielleicht harmlos ist und keine reale Bedrohung darstellt. Doch das Nervensystem reagiert mit der vollen Wucht der alten, gespeicherten Emotion, als würde die ursprüngliche Bedrohung erneut eintreten. Ein bestimmter Tonfall des Partners, der an die strenge Stimme eines Elternteils erinnert, kann eine kindliche Angst vor Bestrafung auslösen. Eine Situation des Übersehenwerdens oder Nicht-Gehört-Werdens auf der Arbeit kann das Gefühl der Unsichtbarkeit und Ohnmacht reaktivieren, das du als Kind erlebt hast. Oder ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber einer bürokratischen Hürde kann die frühe Erfahrung von Hilflosigkeit wieder aufleben lassen.

Der natürliche Impuls ist oft, solche Trigger um jeden Preis zu vermeiden. Wir ziehen uns zurück, meiden bestimmte Menschen oder Situationen, um den Schmerz nicht erneut fühlen zu müssen. Doch Trigger sind keine Feinde, die es zu bekämpfen oder zu umgehen gilt, sondern wertvolle Wegweiser. Sie sind wie ein präzises Navigationssystem, das dir exakt anzeigt, wo die ungelösten Themen, die alten Wunden und die verdrängten Gefühle in deinem Inneren liegen. Anstatt die Auslöser zu meiden, kannst du lernen, sie als Chance zu nutzen: Jedes Mal, wenn du getriggert wirst, bekommst du die Gelegenheit, ein Stück deiner Vergangenheit im sicheren Rahmen deines erwachsenen Bewusstseins zu verstehen, zu fühlen und zu integrieren. Es ist eine Einladung, dem inneren Kind zu begegnen und ihm das zu geben, was es damals so dringend gebraucht hätte: Präsenz, Verständnis und Mitgefühl. Indem du lernst, deine Trigger zu erkennen und bewusst mit ihnen umzugehen, transformierst du sie von Stolpersteinen zu Sprungbrettern für deine persönliche Entwicklung.

Vom Erkennen zum Verstehen: Der erste Schritt zur emotionalen Integration Der Weg zur Heilung unverarbeiteter Kindheitstraumata und -gefühle ist keine Konfrontation im Sinne eines erneuten Durchlebens des Schmerzes, sondern eine Integration. Es geht nicht darum, schmerzhafte Ereignisse krampfhaft wieder zu durchleben oder sich in der Vergangenheit zu verlieren. Der Kern des Prozesses ist, dem Gefühl von damals – der Angst, der Wut, der Einsamkeit, der Scham – heute aus der sicheren und ressourcenstarken Perspektive des Erwachsenen den Raum und die Gültigkeit zu geben, die es als Kind nie bekommen hat. Du bist jetzt der Erwachsene, der für dein inneres Kind sorgen kann. Du kannst ihm zuhören, es trösten und ihm versichern, dass es jetzt sicher ist.

Ein weitverbreitetes Missverständnis ist der Glaube: „Ich muss meinen Eltern vergeben, um zu heilen.“ Heilung ist jedoch primär ein interner Prozess der Selbstannahme und Selbstregulation. Es geht um die Beziehung zu dir selbst und darum, die Verantwortung für deine eigenen Gefühle zu übernehmen – nicht im Sinne von Schuld, sondern im Sinne von „antworten können“. Du lernst, auf deine inneren Bedürfnisse zu antworten und für dich selbst da zu sein. Vergebung gegenüber anderen mag ein späterer, separater Schritt sein, der eintreten kann oder auch nicht, aber sie ist keine Voraussetzung, um mit der eigenen emotionalen Integration zu beginnen. Der erste Schritt ist immer das Annehmen dessen, was in dir ist, ohne Bewertung und ohne den Wunsch, es zu ändern. Es ist die Haltung des „Ja“ zu allem, was sich in deinem Inneren zeigt.

Dieser Prozess erfordert Mut, Geduld und oft professionelle Unterstützung. Es ist ein Weg, der dich tiefer mit dir selbst verbindet und dir ermöglicht, ein authentischeres und erfüllteres Leben zu führen. Du lernst, deine innere Landschaft zu navigieren und die Kontrolle über deine emotionalen Reaktionen zurückzugewinnen.

Ein wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und Selbstreflexion. Er ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Beratung. Bei tiefsitzenden Mustern, starken Belastungen oder traumatischen Hintergründen ist professionelle Begleitung unerlässlich, um eine sichere und heilsame Aufarbeitung zu gewährleisten. Ein qualifizierter Therapeut kann dir helfen, diese Prozesse in einem geschützten Rahmen zu durchlaufen und dich vor einer Retraumatisierung zu bewahren.

Wenn du spürst, dass diese Muster tief sitzen und du sie nicht alleine lösen kannst, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern von Klarheit und Selbstverantwortung. Es ist ein Akt der Stärke, sich Hilfe zu suchen. Erfahre in unserem Übersichtsartikel, welche Therapieformen sich besonders für die Arbeit mit dem inneren Kind eignen und wie sie dich auf deinem Weg unterstützen können.

[Zum Artikel: Therapieformen im Überblick]()

Häufige Fragen

Kann ich Gefühle verdrängt haben, auch wenn ich eine „glückliche“ Kindheit hatte? Ja, absolut. Oft geht es nicht um große, offensichtliche Traumata im Sinne von Missbrauch oder extremer Vernachlässigung. Auch in scheinbar „glücklichen“ oder „normalen“ Familien können subtile emotionale Dynamiken dazu führen, dass Kinder lernen, bestimmte Gefühle zu verdrängen. Dies kann beispielsweise durch emotionale Vernachlässigung geschehen, bei der die Bedürfnisse des Kindes nicht ausreichend gesehen oder gespiegelt wurden. Oder durch die unbewusste Anforderung, für die Harmonie in der Familie bestimmte Emotionen (wie Wut, Trauer oder Angst) zu unterdrücken, weil sie als störend oder bedrohlich empfunden wurden. Ein Kind, das zum Beispiel lernt, dass es nur geliebt wird, wenn es immer fröhlich ist, wird seine Traurigkeit oder Wut verdrängen. Diese subtilen Erfahrungen reichen bereits aus, damit ein Kind lernt, seine Gefühle abzuspalten und im Unterbewusstsein zu speichern, auch wenn die Eltern es gut gemeint haben.

Muss ich in Therapie gehen, um verdrängte Gefühle zu bearbeiten? Für den ersten Schritt des Erkennens, des bewussten Wahrnehmens und des ersten Kontakts mit diesen Gefühlen ist eine Therapie nicht zwingend erforderlich. Die im Artikel beschriebenen Schritte zur Selbstbeobachtung und Körperwahrnehmung können ein guter Anfang sein, um ein Bewusstsein für diese Muster zu entwickeln. Viele Menschen können durch Selbsthilfe-Bücher, Achtsamkeitsübungen oder Meditation bereits erste Erfolge erzielen. Bei tiefsitzenden Mustern, jedoch, die sich in wiederkehrenden, starken emotionalen Belastungen, Beziehungsproblemen oder körperlichen Symptomen äußern, oder wenn traumatische Hintergründe vermutet werden, ist professionelle Begleitung jedoch dringend empfohlen. Ein qualifizierter Therapeut bietet einen sicheren und geschützten Rahmen, in dem du diese Prozesse behutsam und effektiv bearbeiten kannst. Er kann dir helfen, Muster zu erkennen, die du alleine nicht sehen würdest, und dich dabei unterstützen, eine Retraumatisierung zu vermeiden, indem er dich durch den Prozess führt und dir Werkzeuge zur Selbstregulation an die Hand gibt. Wenn du dich für deine persönliche Entwicklung interessierst, findest du weitere Informationen in unserem Bereich zur Selbstentwicklung.

Warum fühle ich mich schlechter, seit ich anfange, mich damit zu beschäftigen? Das ist ein häufiges und oft normales Phänomen, das viele Menschen erleben, wenn sie sich auf den Weg der emotionalen Integration begeben. Stell dir vor, du hast über Jahre oder Jahrzehnte einen Deckel auf einen Topf mit kochendem Wasser gehalten. Wenn du beginnst, diesen Deckel zu lüften, spürst du zunächst die Hitze und den Druck, die sich über all die Zeit angesammelt haben. Es kann sich anfühlen, als würden die Gefühle stärker oder überwältigender als zuvor. Dies ist oft ein Zeichen, dass der Prozess der Wahrnehmung und des Kontakts mit den verdrängten Emotionen beginnt. Die Gefühle kommen an die Oberfläche, weil sie endlich gesehen und gefühlt werden wollen. Es ist wichtig zu verstehen, dass dies nicht bedeutet, dass du etwas falsch machst, sondern dass du einen wichtigen Schritt in Richtung Heilung gehst. Es ist eine Phase der Desorganisation vor der Reorganisation. In dieser Phase ist es besonders wichtig, Selbstmitgefühl zu praktizieren, dich gut um dich zu kümmern und bei Bedarf professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um durch diese Phase stabil zu bleiben.

Was ist der Unterschied zwischen verdrängten Gefühlen und einer PTBS? Verdrängte Gefühle sind ein breites Konzept, das auch bei nicht-traumatischen, aber emotional überfordernden Kindheitserlebnissen entsteht. Es beschreibt den allgemeinen Mechanismus, wie das Nervensystem mit Gefühlen umgeht, das es nicht verarbeiten kann. Dies kann von subtiler emotionaler Vernachlässigung bis hin zu schwerwiegenderen Erfahrungen reichen. Die Verdrängung dient als Schutzmechanismus, um das System vor Überlastung zu bewahren.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) hingegen ist eine spezifische, klinisch diagnostizierbare psychische Störung, die als Reaktion auf ein oder mehrere klar definierbare, lebensbedrohliche oder extrem belastende Ereignisse auftritt. Solche Ereignisse können Krieg, Naturkatastrophen, schwere Unfälle, körperliche oder sexuelle Gewalt sein. Bei PTBS kommt es zu Symptomen wie Flashbacks, Albträumen, Vermeidung von Reizen, die an das Trauma erinnern, erhöhter Erregbarkeit und negativen Veränderungen in Kognition und Stimmung. Während verdrängte Gefühle ein allgemeinerer Begriff für abgespaltene Emotionen sind, ist PTBS eine spezifische und schwerwiegende Folge von Trauma, die oft eine intensive und spezialisierte therapeutische Behandlung erfordert. Es ist möglich, verdrängte Gefühle zu haben, ohne an einer PTBS zu leiden, aber PTBS beinhaltet fast immer auch verdrängte und unverarbeitete emotionale Inhalte.